Philosophie


Bereits als Kind hatte ich eine besondere Verbindung zu Tieren. Mein Hase lief frei im Garten und folgte mir wie ein Hund. Ich zog einen dreibeinigen Rehbock groß trotz der vielen Zweifler, dass dieser aggressiv werden würde. Mein größter Stolz war es, mit dem Hund meiner Großeltern spazieren gehen zu dürfen. Und kein Sturz vom Pferd, nicht einmal ein Wirbelbruch als Folge, konnte mich davon abhalten, gleich wieder das Glück der Erde vom Rücken der Pferde aus zu genießen. So lernte ich schon im frühen Alter, Tiere als Partner, als liebenswerte Lebewesen mit Herz und Seele kennen. Indem ich so viel Zeit mit Tieren verbrachte, ging es eigentlich automatisch, dass ich mich mit ihnen auch sehr viel ohne verbale Sprache beschäftigte. Kinder haben meist noch die Natürlichkeit, die Naturverbundenheit in sich, sich über die Körpersprache zu verständigen. Kinder können auch problemlos miteinander spielen und Spaß haben, wenn sie eine unterschiedliche Muttersprache sprechen und die Sprache des Spielkameraden eigentlich nicht verstehen. Wie Tiere kommunizieren, wird immer mehr erforscht und wissenschaftlich beobachtet. Es gibt eine Menge an Literatur, was die Körpersprache der Hunde/ Pferde anbelangt. Dies hat auch alles seinen Wert und ist ein positiver Fortschritt für das Zusammenleben mit diesen Lebewesen. Meine Erfahrung ist jedoch, dass uns die Tiere selbst die besten Lehrmeister sind. Durch nichts konnte ich mehr lernen als durch die Begegnungen und Beziehungen mit vielen, vielen Hunden und Pferden, wo jeder und jedes einzigartig ist, auch wenn es mit mir in „seiner“ Sprache kommuniziert. Indem ich mir Zeit nehme, Hunde und Pferde in einem artgerechten Sozialverband zu beobachten, mich einlasse auf das, was hier passiert, kann ich auch sehr viel für die Begegnung mit diesen wunderbaren Lebewesen lernen. Nur wenn ich ganz im Gewahrsein und präsent bin, im Moment bewusst mit mir und dem Tier bin, nur dann kann wirkliche Begegnung stattfinden. Wenn ich mit einem Tier arbeite, muss ich ihm - wie in einem Gespräch mit einem menschlichen Gegenüber – Respekt erweisen und Wertschätzung erbringen, ihm mit einem offenen Herz begegnen, ohne Druck und Erwartungen. Erst wenn eine Vertrauensbasis zwischen dem anderen Lebewesen und mir geschaffen ist, kann ich es zu einem gemeinsamen Lernen einladen. Das heißt nicht, dass ich mich von einem Pferd aus Mangel an Respekt über den Haufen renne lasse oder von einem fremden Hund akzeptiere, wenn er mir auf den Schoß kraxelt. Ich erwarte von meinem Gegenüber genauso Respekt und ein bestehe auch auf eine gewisse Individualdistanz! So ist meine Erfahrung im Umgang mit Hunden und Pferden jene, dass sie sich wohl fühlen, wenn sie wissen woran sie sind, wenn es „Regeln“ gibt, die gelten, und zwar konstant und nicht heute schon und morgen nicht, aber dafür wieder in einer Woche. Es liegt also oftmals an der Bequemlichkeit von Tierbesitzern, warum ihre Vierbeiner nicht „folgen“. – Weil es keine klare Abmachung gibt zwischen Mensch und Tier! - Wo ich wieder bei der Essenz im Umgang mit Tieren angelangt bin: Unsere Tiere sind uns immer ein Spiegel, und wir können unendlich viel lernen von ihnen!
 

Meine Sichtweise über „Verhaltensprobleme“ bei Tieren und schwierige Fälle

In den meisten Fällen ist das unerwünschte Verhalten schlichtweg erlernt im Sinne von „antrainiert“, z.B. das Hochspringen des Hundes als Begrüßung; der junge (und noch kleine) Hund wird ja dafür nicht ignoriert, wodurch der Welpe dieses Verhalten einstellen würde, sondern er wird sogar belohnt dafür, in dem er seine gut gemeinte und uns freundlich gesinnte Geste durch eine freudige Begrüßung unsererseits erwidert bekommt!
Ist der Hund dem Kindesalter entwachsen, soll er plötzlich nicht mehr springen… Dasselbe gilt für das an der Leine ziehen oder das Scharren/Klopfen des Pferdes mit den Vorderhufen, um nur einige Beispiele zu nennen. Das Tier wird belohnt – meist unbewusst und oft durch unsere Zuwendung auf ein bestimmtes Verhalten, welches wir eigentlich gar nicht fördern wollen.

Zusätzlich gehe ich von der Hypothese aus, dass erstens jedes Tier zugleich auch ein spirituelles Wesen ist und zweitens, das alles ein Zu-Fall ist und nichts „zufällig“, d.h. (für mich), dass jede Situation, jede Begegnung mit einem Gegenüber – sei es ein bestimmtes Verhaltensmuster bei mir oder einem Lebewesen oder aber einem Menschen, Tier oder anderen Wesenheit – die Chance ist, sich auf diese Begebenheit in diesem Moment einzustellen, diese zu er-leben.
Nimmt man dann sich selbst und das Gegenüber wertfrei wahr und geht mit offenem Herzen auf dieses zu, so kann Wunder-bares geschehen; wenn nämlich plötzlich nichts mehr bewertet wird, sondern das „Unerwünschte“, das „Hässliche“, das „Böse“ in mir und meinem Gegenüber einfach gesehen wird, wie von einem neutralen Beobachter, kann sich dieses „Negative“ erst entpuppen, enttarnen; erst dann können wir sehen, was sich hinter der Maske, der Rolle auch verbirgt, z.B. hinter dem steigenden Pferd oder dem bissigen Hund die Angst vor Verletzung und dahinter auch die bedingungslose Liebe, welche aber aufgrund von Erlebnissen hinten angehalten wird.
Bei „Verhaltensproblemen“ versuche ich mich also als Begleiter, im Gegenüber das Potential zu wecken, das es aus unterschiedlichen Gründen noch versteckt hält. Ich kann und will niemanden verändern, aber ich möchte jene unterstützen, die bei mir Unterstützung suchen, in ihrem Vertrauen zu wachsen, sich selbst etwas zuzutrauen, den Mut wieder zu finden, sich selbst und seiner Umwelt etwas zuzumuten und das Schöne und Leichte im Leben wieder zu sehen und zu leben.


Unsere tiefste Angst ist es nicht,
ungenügend zu sein.
Unsere tiefste Angst ist es,
dass wir über alle Maßen kraftvoll sind.
Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit,
was wir am meisten fürchten.

Wir fragen uns, wer bin ich denn,
um von mir zu glauben, dass ich brillant,
großartig, begabt und einzigartig bin?
Aber genau darum geht es,
warum solltest Du es nicht sein?
Du bist ein Kind Gottes.

Dich klein zu machen nützt der Welt nicht.
Es zeugt nicht von Erleuchtung, sich zurückzunehmen,
nur damit sich andere Menschen um dich herum
nicht verunsichert fühlen.
Wir alle sind aufgefordert, wie die Kinder zu strahlen.

Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes,
die in uns liegt, auf die Welt zu bringen.
Sie ist nicht in einigen von uns,
sie ist in jedem.
Und indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen,
geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis,
das Gleiche zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind,
befreit unser Dasein automatisch die anderen.

von Marianne Williamson
(zitiert und bekannt geworden durch die Antrittsrede von Nelson Mandela)

 

Ein weiterer Aspekt bei der Begleitung von Mensch und Tier ist für mich neben dem Wahrnehmen und Annehmen verschiedener „Rollen“ oder Seiten in uns die bereits angesprochene Hypothese, dass jede Begegnung ein Zu-Fall ist, also die Chance, dass ich erforsche und entdecke, was mir mein Gegenüber spiegelt, und dass ich dadurch für mich etwas lernen kann und im gemeinsamen Prozess auch das Gegenüber dadurch wachsen kann.
Gerade Tiere sind durch ihre Sensibilität, ihr feines Gespür für Emotionen und ihren von Natur aus ausgeprägten Sinn im Erkennen von vom Menschen (oft unbewusst) ausgesandten Körpersignalen hervorragende Lehrmeister, Spiegel unseres Selbst!
Hiermit spreche ich in hoher Wertschätzung und Liebe ein großes Dankeschön an meine vierbeinigen Lebenswegbegleiter/innen aus, durch die ich bereits viel lernen durfte – über mich und den respektvollen Umgang mit allen Lebewesen. Und immer noch lerne!


 


An Miss Ellie, meinen ersten Hund, durch die ich in der verwirrenden Zeit der Pubertät mein Selbstbewusstsein nicht ganz ad acta legte und die mich noch mehr auf die Natur aufmerksam machte;


an Daisy, die mich in sämtlichen Hochs und Tiefs meiner Jugendzeit und im jungen Erwachsenenalter begleitete und die mich – trotz vieler Gegenargumente von Experten zur Überzeugung kommen ließ, dass „aggressives“ Verhalten gegen Artgenossen keine Dominanz sondern Angst ist;
 

 

an Josef, meinen Sonnenschein, der mich immer wieder zum Lachen und Staunen bringt und aufs Neue verwundert, welch Potential in ihm steckt und mir zeigt wie wichtig es ist, einem Hund die Freiheit in Entscheidungen zu geben, um dieses Potential leben zu können!



an Sasso, mein erstes Pferd, welches mir immer und immer wieder mit stoischer Ruhe und Charme zeigt wie man Geduld lebt ohne sich selbst dabei einzuschränken, und Stolz lebt ohne hochmütig zu sein;






an Ugo, der mir seine Dankbarkeit Tag für Tag durch sein Vertrauen in mich zeigt, und mit seinen Augen spricht – mehr als jedes andere Pferd, welches mir bis jetzt begegnet ist;


und an den alten Joe, der mir bewies, dass ein Pferd trotz jahrelangem „Sportpferdedasein“ seine Sensibilität nicht aufgibt und der seine neue Aufgabe als „Therapeut“ mit Freude und Gewissenhaftigkeit auch in hohem Alter annimmt und auf seine alten Tage tolle Arbeit leistet!